Demosong Nummer 2 ist endlich fertig
…und leider hat alles viel länger gedauert als geplant.
Wie schon bei dem ersten Titel, begann die intensive Suche nach einer ansprechenden Akkordfolge im November. Das muss nichts bedeuten, bleibt allerdings als eine mögliche kalendarische Voraussetzung für herausragende musikalische Leistungen beruhigend unter Beobachtung. Alle Versuche etwas früher zu beginnen, scheiterten entweder an der für solche Arbeiten nicht zur Verfügung stehenden Zeit oder einfach an Ermangelung brauchbarer Ideen. Man stelle sich vor, dass viele Musiker von ihren Ideen leben müssen und die hat man nicht jeden Tag. Das erklärt vermutlich auch das unter vielen Künstlern verbreitete Burnout Syndrom.
Okay, ich habe meinen Job und kann mir Ideenlosigkeit leisten.
Ich stellte schnell fest, dass mein kompositorisches Kompetenzteam aus Runde Eins für die nächste Schlacht nicht mehr zur Verfügung stand. Ideenlos und ohne künstlerische Befruchtung von Außen musste es also erst mal irgendwie im Alleingang voran gehen.
Und welchem Musiker geht es nicht so: Immer wenn man sich vornimmt etwas hier und jetzt bewusst zu komponieren, geht oftmals gar nichts.
Skeptisch, bewaffnet mit meiner Gitarre aber zu allem bereit, ging es ans Werk und siehe da…. nach mehreren Stunden Gedudel waren die ersten vier Akkorde kreiert, Wahnsinn.
Mein Projektordner verrät mir, dass Anfang Dezember 2010 das Gitarrengerüst für den neuen Song dann doch weitgehend zusammengetragen und festgezurrt war, Songtempo und Rhythmik waren angeglichen, einzig die Klärung der Frage nach musikalisch sinnvollen Verbindungen der verschiedenen Songteile, sowie die Erstellung von Einleitung und Ende kamen nicht richtig in Gang.
Trotzdem begann ich nun mit dem arrangieren, in der Hoffnung, die fehlenden Elemente fielen dabei irgendwie vom Himmel.
Demosong Nummer 1 brachte mir von manchen Musikerkollegen die Kritik der instrumentellen Überfüllung und dies sollte bei Titel Nummer 2 unbedingt vermieden werden.
Ausgehend von dem Gedanken, dass die Gitarre das Hauptinstrument des Arrangements bleibt, sollte die Begleitinstrumentierung sparsam angelegt werden.
Liegt es entweder an meiner Leidenschaft für orchestrale Instrumente, oder einfach an der fehlenden Leidenschaft für das Suchen und Anpassen synthetischer Klänge, immer wieder bediene ich mich beim Arrangieren an meiner Sammlung von Bläser- und Streicherklängen. Gut, die klingen natürlich auch erstklassig und passen, geschmackvoll eingesetzt, in den allermeisten Fällen, ich verspreche aber für Song Nummer 3 ein Update, das diesen Zustand erst einmal beseitigt.
Ich legte also los, arrangierte so vor mich hin und stellte prompt nach vierzehn Tagen fest, dass mein virtuelles Orchester den Kampf um tonalen Raum im Arrangement für sich entschieden hatte. Die Elektrogitarrenaufnahmen waren in dem Gewirr aus Tönen nur noch zu erahnen, die Akustikgitarre war ganz verschwunden und das Orchester klang auch nicht wirklich gut. Ergo… den Bleistift ersetzen durch ein Radiergummi und das Ganze noch mal rückwärts, um instrumentelle Daseinsberechtigungen zu unterstreichen.
Kurz vor den schneereichen Dezembertagen war dann ein akzeptables Ergebnis inklusive musikalisch sinnvoller Übergänge vorhanden und ich informierte mein Kompetenzteam, um auch hier wieder programmierte Instrumente durch Musikerhandwerk ersetzen zu können. Leider kam wie schon zu Beginn der Kompositionsarbeiten kein gemeinsamer Termin zustande und zu allem Überfluss war jetzt völlig unklar, woher Gesangsmelodie, Text und Stimme kommen sollten. Der vom ersten Titel bekannte und für dieses Projekt auch erhoffte „Augen zu und träumen“ Charakter segelte förmlich vor meiner Nase entlang aufs offene Meer. Dies Alles war sehr demotivierend, sollte sich jedoch später als „unproblematischer als gedacht“ herausstellen. So schlummerte der Titel aber erst einmal auf meiner Festplatte. Ende Januar 2011 kam es zu einem Zusammentreffen zwischen mir und mir und ich überredete mich mit unzähligen Blümchen in der Sprechblase, dass ich mich der Baustelle doch wieder einmal annehmen möge.
Ungeübt in den anstehenden Dingen, aber frei nach dem Motto „lernen beim tun“ suchte ich tagelang auf der Gitarre in unzähligen Aufnahmesitzungen eine Gesangsmelodie zusammen und sang diese dann, zur Qual meiner Mitbewohner, in englischem Kauderwelsch auf die Festplatte. Nach dem Anlegen der zweiten und dritten Stimme hörte sich das Ganze dann doch gar nicht so schlecht an.
Ein im Februar unternommener Rekrutierungsversuch einer mir von diversen Studioarbeiten gut bekannten Kollegin aus dem Frankfurter Raum brachte anfangs wieder die Hoffnung, die Stimmbesetzung letztendlich doch in guten Händen zu wissen. Bewaffnet mit meiner Aufnahme nebst Laptop und guter Laune, ging es zu einem gemeinsamen Treffen nach Frankfurt, aber ich kam doch schnell zu der Erkenntnis, dass Ihre Termine solche Seitensprünge nicht zuließen. Schließlich hätte Sie ja auch den Text schreiben sollen und das auf eine vorhandene Melodie mit englischem Wortgemisch als Platzhalter, mal ehrlich, wer macht so etwas freiwillig?
Also, von Seelenschmerz gepeinigt zurück ins Auto und ab nach hause. Wie sollte es jetzt weiter gehen?
Es wurde März und das gesetzte Ziel, mich an dem Zeitaufwand der Erstellung des ersten Demotitels zu orientieren, musste aufgegeben werden.
Dann Ende März Anfang April ein Geistesblitz. Wie wäre es mit einer Einleitung mit Saxofon und einem Saxofonsolo? Zack, das lang ersehnte noch fehlende musikalische Element kam greifbar an meinem inneren Ohr vorbei geschippert und ich schickte sofort eine sms an den Oberschelder Altsax Blasgott Dirk Kessler, der dem Gedanken, mich musikalisch zu unterstützen, nicht abgeneigt war. Am selben Abend ging das MP3 File über den Ladentisch und ein Studiotermin wurde gleich mit vereinbart. Seine Worttreue und seine musikalische Professionalität haben mich total begeistert. Auf diesem Wege noch mal einen besonderen Dank dafür.
Nach den Aufnahmen verbrachte ich die darauf folgenden Tage mit mischen, mischen und mischen. Auch hier stand die Messlatte von Titel 1 sehr hoch und er musste auch immer wieder zur Kontrolle herhalten. Wie hatte ich diese Transparenz und den Druck nur hinbekommen? Na ja, die Bearbeitung der Stereosumme stand noch nicht an, denn es fehlten ja immer noch Text und Stimme.
Manchmal sieht man die Suppe vor lauter Nudeln nicht, hatte ich doch einen recht ordentlichen Texter und Sänger an meiner Seite im eigenen Studio, aber fragen müsste man ja dann schon mal. Und siehe da… Jetzt hatte ich innerhalb kurzer Zeit meinen ersehnten Text und Kollege Frank riet mir zur Personalunion. Er meinte, ich solle doch nach der langen Sucherei selbst ins Mikrofon beißen. Zu Anfang war diese Vorstellung eigentlich, nach der Maßgabe des ersten Demotitels, für mich undenkbar, aber was wurde auf dem Weg zur Geburt dieses Songs nicht schon alles bewältigt, also, ran an den Sprechkorb.
Mitte Mai war dann endlich alles zur Bearbeitung der Stereosumme bereit. Alle Songteile und Übergänge, Begleitinstrumente, Soli von Saxofon und Gitarre sowie der Gesang bekamen in der Einzelbearbeitung den letzten Schliff, das Ende wurde geblendet, und die Effekte noch einmal in ihrer Intensität nachjustiert.
Auf zum Finale.
Da dieser Titel trotz einer anderen Instrumentierung vom Klang und vom Ausdruck zum Ersten passen sollte, war einiges an probieren notwendig. Verschiedene Klangfilter mussten ihr Können unter Beweis stellen und an manchen Ecken ging es, zum Wohle der Summe, mit beherzten Eingriffen wieder bis in die unteren Ebenen zurück. Zu guter letzt bin ich davon überzeugt, dass mit Demo 2 wieder ein für unsere Verhältnisse ansprechendes Ergebnis gelungen ist. Das weitere Kommentieren möchte ich dann aber den Besuchern dieser Seite überlassen. Ich bin offen für Kommentare jeglicher Art, seien sie kritisch oder löblich, wäre dies doch ein Zeichen einer gelungenen Internetpräsenz.
Eine für mich wichtige Erkenntnis ist, dass, entgegen aller in der freien Wirtschaft vorherrschenden Gesetzmäßigkeiten zur Auslagerung verschiedenster Arbeiten, man sich am Besten auf sich selbst und seine engsten musikalischen Vertrauten verlässt.
Andreas Zufall







